Archiv für Juli, 2012
31. Juli 2012 – Schon wieder im Egotunnel gewesen
Ich hab die Petersilie gegossen. Den Salbei und die Malve. Den Lavendel. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Niemand, der noch Durst hat.
Ich habe einen Kaffee gekocht. Zwei Scheiben Brot gegessen. Eines mit Frischkäse und das andere auch. Nichts draufgelegt. Keine Tomate oder so.
Danach hatte ich ein bisschen Angst. Seit ich gestern las, wie einer an einem Stück Pizza erstickte. Das hat mich ganz durcheinandergebracht. Hinlegen musste ich mich. Zwei Stunden. Ist es möglich, dass man an einer Tomate erstickt? Und wenn ja: Müsste man sich dafür schämen?
26. Juli 2012 – Nur ein Anruf
Sie müsste nur diesen Anruf machen. Diesen einen, er würde nicht einmal lang dauern. Statt dessen sitzt sie hier, kratzt sich an den Fußnägeln herum, die sehen furchtbar aus, furchtbar, die kann man niemandem zeigen. Die Schere hat sie schon seit zehn Jahren. Eigentlich ist das eine Frisörschere. Damals. Er. Er mochte kurzes Haar. Sie. Schnitt es sich selbst, weil sie niemandem vertraute. Und vielleicht auch, weil es zu teuer gewesen wäre. Jede zweite Woche. Denn ihre Haare wuchsen schnell.
22. Juli 2012 – Idas Herz
Da sitzen sie nun. Ida und ihr Herz. Und zwei ältere Damen haben sich an den Tisch nebenan gesetzt. Die sind öfters hier, das merkt sie sofort. Kennen alle. Und alle kennen sie, wissen, was sie wollen. Kaffee. Natürlich. Kuchen auch? Pflaume hatte eine der Damen gestern schon. Aber Apfel. Ja, dann den bitte. Der Kaffee sei hier immer sehr gut, sagt die eine. Wenn auch immer ein bisschen zu heiß, sagt die andere. Heute auch wieder. Viel zu heiß. Uhh, machen beide. Aber der Kuchen, oh, wie schön! Mit Streuseln. Wunderbar. Sagt die andere. Und nochmal: So schön mit Streuseln. Glücklich sind sie. Sagen dann nichts mehr außer mhhh. Und mhhh. Und: Schön mit Streuseln.
18. Juli 2012 – Heute ein Verweis
Gretas Sommer: http://www.neobooks.com/werk/14044-gretas-sommer.html Der Link ist nicht mehr verfügbar, da „Gretas Sommer“ bald in einer aktualisierten Form erscheinen wird share: Tell a friend
11. Juli 2012 – Anatomische Topografie
Vom Garten ist nicht viel übrig geblieben. Dazu müsste es ein Haus geben. Aber von dem Haus ist kaum noch etwas da. Schön sieht das aus, wie das alles über die Mauer klettert. Der Baum hat ein Bein hineingestellt. Einfach so. In die Mauer hinein. Früher hätte ihr das Angst gemacht. Jetzt muss sie lächeln, wenn sie ihn sieht. Den stolzen, alten. Ein Prachtwerk ist er geworden. Knorrig, ja. Aber immer noch vital. Strotzend. Und im Herbst trägt er noch immer. Wunderbaum. Baumlose Wunde. Wunderlos.
6. Juli 2012 – Ach, Jakob. Dummer Jakob
Jeden Morgen sieht sie die Mutter voller Sorge an. Und „Liese“, sagt sie dann. „Hast du schon wieder?“ Und „willst du nicht mal wieder? Zu Hause. Im Bett. Nur so. Ich weiß nicht.“