Immer wenn Iris Ida besuchen kommt, gehen sie in das Café an der Ecke. Also sind sie oft hier. Und trotzdem kennt sie niemand. Heute hat Iris Geburtstag. Sie möchte auch so einen Kuchen mit Streuseln haben. Und einen Obstsaft dazu. Dass Iris erst letzte Woche Geburtstag hatte, stört sie nicht im Geringsten. Iris nimmt die Feste, wie sie kommen. Und manchmal kommen sie eben öfters als geplant. Kommen anders, als sie fallen.
Und so fiel Iris.
Mitten in Idas Leben hinein. Eigentlich fiel sie heraus. Aber das darf man Iris nicht sagen, weil sie sonst wieder tobt.
Also fiel sie hinein. An einem Montag? Einem Dienstag? Einem Sonntag? Ida weiß es nicht mehr. Nur dass sie krank war und mit einer Zwiebelkompresse auf dem linken Ohr im Bett lag. Die Oma auf einem Stuhl daneben. Las ihr vor. Und auf dem Schoß der Oma Iris. Die erzählte eine ganz andere Geschichte als die Oma. Und das war alles, was Ida damals hörte.
Set dem spricht Iris mit Ida. Spricht, während Ida mit ihr spricht. Erzählt ihr, wie viel Runden sie heute gelaufen ist und warum sie mal wieder keine Lust hatte, sich die Füße einzucremen. Iris ist nicht dumm. Ida auch nicht. Das erschwert die Sache natürlich. Auch was die Eloquenz anbelangt, sind sie sich ebenbürtig. Das erschwert die Sache gewaltig.
Ida hat gelbes Haar und Lust auf nichts. Iris hat auch gelbes Haar und nur einen Wunsch: Dass Ida aufhört ins Café zu gehen, sobald sie sie besuchen kommt. Die Küche sei doch groß genug, sagt Iris. Da könne man doch so schön sitzen. So schön wie damals mit der Oma. Und billiger wäre es auch. Man könnte doch. Doch Ida lässt sich nie darauf ein. Iris weiß das. Ja, eigentlich weiß sie das. Trotzdem ist sie jedes Mal enttäuscht. Fängt an, besonders laut zu kauen. Schmatzt geradezu. Nimmt den Saft und gießt ihn über die Tischdecke. So wie jetzt.
Schön sieht das aus, wie der Fleck sich ausbreitet. Als würde die ganze Welt immer klarer werden. Schon ist er bis zur Vase gekrochen. Großartig, denkt Ida. Versucht, es nicht zu laut zu denken. Nicht dass es das Herz noch hört und darüber ganz in Überschwang gerät. Ida, sagt die Oma. Und dass jetzt nicht die Zeit für Scherze sei. Dabei kann Ida gar nichts dafür. Schuld ist das Herz. Das Herz, Oma. Da drückt sie jetzt die Tasche dagegen. Sieht zu Iris. Die ist schon ganz käsig im Gesicht. Das ist sie immer, wenn sie wütend wird. Aber auch dafür kann Ida nichts. Es gab nur ein Herz. Wo hätte sie ein zweites herzaubern sollen?
Ungerecht. Sagt Iris.
Ja. Sagt Ida. Und versucht zu lächeln.